BJEM u10 FINALE 2010

Rangliste: Stand nach der 9. Runde

Nr.

Teilnehmer

NWZ

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Punkte

SoBerg

1.

Petersen,Marcel

1173

**

1

0

1

1

1

½

1

1

1

7.5

29.75

2.

Boehling,Richard

1153

0

**

1

0

½

1

1

1

1

1

6.5

22.25

3.

Schmidek,Emil

1499

1

0

**

1

0

0

1

1

1

1

6.0

21.50

4.

Greßmann,Moritz

1634

0

1

0

**

1

½

½

1

1

1

6.0

21.00

5.

Hajjaj,Mike

1052

0

½

1

0

**

1

1

0

1

1

5.5

20.25

6.

Hesse,Henrik

1222

0

0

1

½

0

**

1

1

1

1

5.5

17.00

7.

Wierzbicki,Jirawat

1121

½

0

0

½

0

0

**

1

½

1

3.5

10.75

8.

Henke,Georg

1066

0

0

0

0

1

0

0

**

½

1

2.5

7.00

9.

Kantusch,Tobias

1072

0

0

0

0

0

0

½

½

**

0

1.0

3.00

10.

Denkert,Anna

844

0

0

0

0

0

0

0

0

1

**

1.0

1.00

Vor dem u10-FINALE schien mehr oder weniger alles klar zu sein, niemand hatte auch nur den geringsten Zweifel daran, dass der absolute Top-Favorit Moritz Greßmann sich den Berliner Meistertitel „relativ locker“ abholen würde, die Frage schien lediglich zu sein, ob dies mit dem Resultat von 9 aus 9 gelingen würde, oder ob Emil, die prädestinierte Nr. 2 ihm hier noch ein Bein stellen würde. Zwischen Moritz und Emil lagen fast 150 und zwischen Emil und dem Rest des Feldes sogar weit über 300 DWZ-Punkte Abstand !!!

ABER es kam ganz anders und auf jeden Fall so, wie es wirklich niemand erwartet hatte!
Es stellte sich nämlich heraus, das neben der reinen DWZ auch der Psychologische Faktor in dieser Altersklasse (u10 !!!) eine unglaublich eminent wichtige Rolle spielt.

Für Moritz lief es zunächst so, wie alle erwartet hatten, eine Eins folgte der nächsten und er zog einsam und scheinbar unbeirrt seine Kreise, bei Emil fing das Turnier hingegen gleich mit 0 aus 2 an und nach vier Runden hatte er lediglich 1 aus 4, wirkte Schachlich völlig von der Rolle und hatte hier noch nicht mal gegen Moritz gespielt. Der Berliner Meistertitel schien klar zu sein für Moritz und die DEM-Quali schien weg zu sein für Emil, aber es kam wiederum anders ...

Marcel Petersen stand in nahezu jeder Partie, zumindest zu einem bestimmten Zeitpunkt glatt bzw. absolut klar auf Verlust, aber die Gegner patzten schließlich reihenweise und Marcel machte einen unglaublichen Punkt nach dem anderen (Fortuna hatte ihren Liebling gefunden und auserwählt !!!).

Knapp nach der Hälfe des Turniers kam bei einigen Spielern der große Bruch. Emil, der nach vier Runden plötzlich wieder angefangen hatte Schach zu spielen, hat in den letzten 5 Runden keinen einzigen halben Punkt mehr abgegeben (5 aus 5 aus den letzten 5 Spielen).

Moritz Gressmann hingegen kam mit dem tonnenschweren Druck des absoluten Top-Favoriten nicht zurecht, er begann jetzt an seinen eigenen starken Fähigkeiten zu zweifeln und gleichzeitig die Möglichkeiten seiner Gegner weit zu überschätzen. Gegen Henrik fiel er auf eine Eröffnungsfalle herein und gab die Partie (mit zwei Bauern gegen die Figur, aber bei noch reichlich Material auf dem Brett Remis) und gegen Jirawat stand er glatt auf Verlust, als Jirawat sein Remisangebot akzeptierte. Danach spielte Anna gegen Moritz eine klasse Partie und brachte ihren übermächtigen Gegner schier zur Verzweiflung, Moritz konnte zwar letztendlich noch gewinnen, aber mental war das Turnier hier bereits für ihn gelaufen. Es folgte eine Niederlage in zuvor klar besserer Stellung gegen Marcel und die letzte Runde gegen Emil, wo Moritz bereits nach 17 Zügen in ausgeglichener Stellung aufgab, weil er sich einfach nicht mehr in der Lage fühlte diese Partie weiterzuspielen (zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, das Marcel uneinholbar Berliner Meister war und das Ticket für die DEM hatte Moritz bereits sicher in der Tasche).

In der letzten Runde spielten Marcel und Richard Boehling, die beide als einzigste 6,5 Punkte hatten unmittelbar um den Titel, wobei der gesamte Turnierverlauf bis dato eher für Richard sprach, weil er einfach abgeklärter wirkte, während Marcel in vielen Partien wirklich unglaubliches „Glück“ hatte. Aber mit der vor dem Turnier nicht eingeplanten Situation plötzlich um den Titel zu spielen, kam auch Richard nicht zurecht. Eine bessere Stellung mit Angriff „verwandelte“ sich schließlich in eine glatte Verluststellung und Richard musste dann schließlich die Partie und damit auch den Berliner Meistertitel aufgeben!

Somit wurde Marcel Petersen Berliner Meister u10, mag sein, das er in vielen Partien ein gewisses Maß an Glück hatte (irgendwo bzw. bis zu einem gewissen Grad gehört dies in einem erfolgreichen Turnierverlauf auch dazu), aber letztendlich war er auch derjenige, der mit der unmittelbaren und in diesem Turnier und der Altersklasse nicht zu unterschätzenden Drucksituation im entscheidenden Moment am besten zurecht kam. Er ist daher ein würdiger und verdienter Berliner u10-Meister ! ! !

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zum
Berliner u10-Meister-TITEL ! ! !

Die ersten vier (Marcel, Richard Boehling, Emil und Moritz Gressmann) haben sich somit für die Deutsche u10-Meisterschaft qualifiziert. Äußerst knapp gescheitert sind Mike Hajjaj und Henrik Hesse. Im „höheren Sinne“ hat die Niederlage von Henrik gegen Mike sowie die Niederlage von Mike gegen Georg diesen beiden Spielern die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft gekostet. Besonders Schade, das beide mit Jahrgang 2000 nächstes Jahr nicht mehr die u10 spielen dürfen, sondern in der schwereren u12 antreten müssen.

Der jüngste Teilnehmer, Jirawat (mit 7 Jahren eigentlich AK: u8) hat zwei „Gewichtsklassen“ über seiner Altersklasse gespielt und sich im u10-Finale gut „verkauft“, in vielen Partien stand er deutlich besser bis klar auf Gewinn und hat erst am Schluss durch Konzentrationsmangel wichtige Punkte liegen lassen. Der Gesamteindruck stimmte jedoch und er ist ja der einzigste, der noch zwei Jahre (also bis einschließlich 2012) in der u10 spielen darf, somit bestehen hier wirklich sehr gute Chancen für die Zukunft ...

Georg Henke und Tobias Kantusch haben weit unter wert gespielt, sie waren beide irgendwie absolut nicht in Form und müssen daher dieses Finale schnell abharken und nächstes Jahr in der u12 ihr bestes versuchen.

Anna Denkert hat gegen weit stärkere Gegner ein wirklich hervorragendes Turnier und sehr viele schöne Partien gespielt. Ich bin mir absolut sicher, das ihr dieses u10-Jungsfinale schachlich eine Menge gebracht und ihrer schachlichen Entwicklung einen weiteren Sprung nach oben verschafft hat. Die Mädchen in der u10w müssen sich „warm“ anziehen ! ! !

Zusammenfassend war dies ein wirklich sehr überraschendes, dramatisches und äußerst spannendes u10-Finale, dessen Verlauf so von keinem vorherzusagen war. Allerdings zeigt dies auch mehr als deutlich wie viele „unbekannte“ Faktoren für den Ausgang einer Meisterschaft von eminent wichtiger Bedeutung sind (und einige davon liegen auch außerhalb des Schach`s). – und dies ist nicht nur bei den Kindern so ! ! !

Ich wünsche allen Berliner DEM-Qualifikanten viel Erfolg bei der Deutschen Meisterschaft !!

Jan-Daniel Wierzbicki